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Das Projekt Politics of Remembrance (POREM) untersucht die Politik der Erinnerung an die politische Gewalt von Austrofaschismus und Nationalsozialismus, wie sie in Wien zwischen 1995 und 2015 an öffentlichen Orten sichtbar geworden ist. Erinnerungspolitik bedeutet Auseinandersetzung um Deutungsmacht und die Nutzung und Aneignung öffentlicher Räume.

Die leitenden Fragestellungen sind: Wer macht in Wien symbolische Vergangenheitspolitik? Wie wird sie gemacht und reguliert? Wie viele und welche öffentliche und teilöffentliche Erinnerungsorte gibt es in Wien, wie viele und welche sind in den vergangenen 20 Jahren ("Erinnerungsboom") tatsächlich entstanden? Welche Funktionen übernimmt symbolische Vergangenheitspolitik in einer europäischen Hauptstadt? Welche geschichtspolitischen Bedeutungen formulieren die Akteure und welche setzen sich in der Öffentlichkeit durch? Gibt es Zusammenhänge zwischen geschichtspolitischer Nutzung öffentlicher Räume und der Bevölkerungs-, Funktions- und Sozialstruktur der Stadt?

Im Rahmen des Projektes untersucht ein interdisziplinäres Team die erinnerungspolitische Praxis in drei Dimensionen:

1. die vergangenheitspolitische Dimension von Entstehungs-, Entscheidungs-, und Umsetzungsprozessen

2. die geschichtspolitische Dimension der Bedeutungsgebung im kommunalen, nationalen und transnationalen Rahmen

3. die sozialräumliche Dimension der erinnerungs- und alltagskulturellen Nutzung

Auf der Ebene der Vergangenheits- und Geschichtspolitik wird neben einer quantitativen Gesamterhebung und Auswertung eine qualitative Analyse von sechs Erinnerungsorten (u. a. das Deserteursdenkmal am Ballhausplatz, das Heldendenkmal am Heldenplatz, das Shoah-Denkmal am Judenplatz) vorgenommen. Zu drei Plätzen (u.a. Ballhausplatz/Heldenplatz) wird die politikwissenschaftliche Analyse mit anthropologischen und Methoden der Sozialraumanalyse verknüpft.

Geplant ist unter anderem die Erstellung einer digitalen Karte der Erinnerungszeichen in Wien, die anhand von layer Ergebnisse der Analysen visuell erfahrbar macht.

Die quantitative Gesamterhebung baut insbesondere für den Zeitraum zwischen 1945 und 2001 auf die Grundlagenarbeit des Dokumentationsarchives des Österreichischen Widerstandes (DÖW) auf. Siehe dazu: DÖW (Hg.): Gedenken und Mahnen in Wien 1934-1945. Gedenkstätten zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung. Eine Dokumentation, Wien 1998 bzw Ergänzungsband 2001.

WWTF-Projekt Politics of Remembrance
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